Deutschland, 1990 – Jugendliche und Kinder leben in höchster Gefahr! Nein, nicht etwa durch einen drohenden nukleare Katastrophe, das Zerstören der Natur oder der kalten Krieg, sondern durch Musik. Heavy-Metal-Musik. Und Punk. Gothic sowieso. Die Jugendlichen werden durch solche Musik zu satanischen Handlungen aufgefordert, zum Selbstmord – ja sogar zum Ablehnen des Staates und der Obrigkeit! „In den USA haben sich zwei Jugendliche nach anhören solcher Musikstücke erschossen.„, so wird jedenfalls die Reportage „in der Reportage „Ihr Kinderlein kommet“ des Bayrischen Rundfunks anmoderiert. Ende der 80er war die Welt der Jugendlichen voller neuer Musikrichtung, Heavy Metal, Gothic, irgendwann kam Rave, dann Grunge. Gefahren für das Seelenheil des Kindes lauerten auf jeder potentiellen Neuveröffentlichung beliebter Musikrichtungen. Heute sind wir schlauer, wissen über die Vergangenheit Bescheid und haben alles relativiert. Bernd Graff schreibt auf Süddeutsche.de: „Heavy Metal zirkuliert in Zeitlosigkeit. Es ist nicht politisch, es vertritt keine Ideologie, es richtet sich gegen nichts und kennt viele Gefühle des Menschen, das ganze Bestiarium der Gefühle sogar, aber es kennt dafür nur einen Ausdruck: Lauter, härter und schneller zu sein als die Hölle.“
Seit über 30 Jahren wechseln Sichtweisen und Meinungen über musikalische Subkulturen in immer schnelleren Abständen. 1990 noch potentiell gefährlich, mittlerweile belanglos. Heute heißen die Feindbilder der Medien Bushido, Sido oder auch Frei.Wild – Frauenfeindlich, sexistisch, homophob, nationalistisch. Völlig egal, unsere Jugend ist in ständiger Gefahr. Thomas Kuban über die Band Frei.Wild: „,Frei.Wild‘ verbreitet aggressiven Nationalismus, völkisches Gedankengut und Hass auf Andersdenkende, Philipp Burger arbeitet mit geschichtsrevisionistischen Anspielungen und er bedient antisemitische Stereotype.“ Die Medien verbreiten Angstbilder systematisch, besorgte Eltern, die um das Wohl ihrer Kinder besorgt sind, rebellieren gegen die musikalischen Feinde. Immer wieder.
Pauschal werden den Jugendlichen eigene Gedanken vorweggenommen. Man traut ihnen nicht zu, sich selbst ein Bild zu machen, sondern vermutete ein abrutschen in „dunkle Kreise“. Für unmündig erklärt werden sie mit der Sichtweise ihrer Eltern konfrontiert. Völlig egal was den Nachwuchs beschäftigt, die Eltern fühlen sich verpflichtet eigene Meinungen zu Leitbildern zu deklarieren. Zuwanderung, Überfremdung, Homosexualität. Schlagworte, die in manchen Familien für ein Abspulen von zurechtgelegten Meinungen führen. Diskutieren unerwünscht, solange der Nachwuchs die Füße unter die elterlichen Tische aus Schweden stellt. Die Schulen sind oftmals die letzte Bastion, um Jugendlichen die nötige Weitsicht zu vermitteln, doch wo Lehrpläne von Elterninitiativen torpediert werden neigt man oftmals dazu zu resignieren. Es ist zum aus der Haut fahren!
Die eigene Nase? In greifbarer Nähe.
Die Reportage find ich irgendwie putzig.
Also ausgerechnet Thomas Kuban anzuführen, wenn es darum geht Angstbilder zu zeichnen ist sehr kurz gedacht. Denn der Mann hat über viele Jahre lang undercover in der Neonazi-Szene recherchiert und weiß von was er redet. Und es ist auch wirklich so, dass spezielle Gruppen die Musik von Frei.Wild & Co benutzen um an die Jugendlichen ranzukommen.
Ich kann jedem empfehlen sich mal den Film Blut muss fließen anzuschauen. Das hat mit Angstbildern leider, leider nur sehr wenig zu tun.
Axel: Musik zu verbieten ist zu kurz gedacht. Außerdem zeichne ich keine Angstbilder, sondern ziehe nur Vergleiche. Die Angstbilder zeichnen die Medien, die Kritiker und die Fans selbst.
Und die Lösung ist es dann, Frei.Wild zu verbieten? Verbieten wir alles, was in den Köpfen der Jugendlichen Verwirrung stiften könnte oder fangen wir endlich damit an unseren Jugendlichen zum nachdenken zu verhelfen? Wie gesagt, ich ziehe nur Vergleiche. Und für mich sind da durchaus Parallelen zwischen 1990 und 2014.
Ich kann keine Generallösung anbieten, ich denke nur, dass das der falsche Weg ist. Die Musik und die Texte von Frei.Wild sind meiner Ansicht nach plakativer nationalistischer Müll der mit plumpen Parolen und eingängigen Melodien versucht Fans zu begeistern.
Also, was willst du tun, Axel? Alles verbieten, zensieren und verdrängen? Ich habe nichts gegen die Arbeit von Thomas Kuban, im Gegenteil, es ist notwendig darzustellen, was besorgniserregend ist. Mit geht es um die Konsequenzen, die daraus gezogen werden.
Ich habe nix von verbieten und zensieren oder dergleichen geschrieben. ;-)
Aber man sollte sich schonmal die Frage stellen, warum solch ein nationalistischer Müll so beliebt ist. Man wird da wahrscheinlich tiefer graben müssen: soziale Zerwürfnisse, Perspektivlosigkeit usw. Da bietet solch nationalistischer Käse nur allzu „einfache Lösungen“.
Ich stimm Dir zu, mit Verboten und Zensur wird man nichts erreichen, im Gegenteil. Wichtig wäre es eher das Übel an der Wurzel zu packen.
Die Konsequenzen müssten tiefgründig sein. Es ist ja immer so, das sin Zeiten der allgemeinen Unzufriedenheit extremistisches Gedankengut Hochkonjunktur hat. Heutzutage sind das die, wie ich sie gern nenne, „ABER-Nazis“. „Ich habe ja nicht gegen, ABER…“
Von den Medien braucht man sich da keine Aufklärung erhoffen, die verdienen damit Geld. Damals wie heute…
Wenn Kritik zum Tabu wird. ;-) Solcherlei Sätze kenne ich zuhauf. Die führe ich jedoch auf ein in Deutschland tief verwurzeltes „Kritikäußerungsverbot“ zurück. Mit latentem Extremismus hat das eher wenig zu tun. Meistens kommt das doch von jenen, die recht unbeholfen an ein Thema herangehen, die etwas zu beklagen haben, aber sehr gut um die Abstempelung als Nazi wissen, mit der man hierzulande um sich wirft. Ein krampfhafter Versuch, dem zuvorzukommen.
Ich schließe mich Ian an, ich habe die gesamte Zeit vor mich hin geschmunzelt. „Putzig“ trifft es ganz gut.
Leider finde ich Diskussionen wie die um Frei.Wild nicht putzig. Ich denke auch nicht, dass Zensur politischer Inhalte jemals jemanden zum Umdenken gebracht hat. Aber ich sehe es durchaus als wichtig an, auf nationalistische oder gar rechtsextreme Inhalte in der Kunst hinzuweisen und die Konsumenten zum kritischen Hinterfragen anzuregen. Stimmt ihr wirklich mit diesen Aussagen überein? Kennt und begreift ihr das Weltbild hinter den plakativ-plumpen Texten einer Band wie Frei.Wild?
Ich persönlich weigere mich, Kunst zu konsumieren und damit Künstler zu unterstützen, die in irgendeiner Form rechte Tendenzen zeigen oder propagieren. Selbst, wenn diese in der Kunst gar nicht zum Ausdruck gebracht werden, sondern persönliche Meinung des Künstlers sind. Und ich finde es wichtig, andere Menschen damit zu konfrontieren, wessen CDs (z.B.) sie da kaufen und hören. (Bei einem schon „fertigen“ Nazi ist das natürlich sinnlos, aber einen Jugendlichen, der politisch noch unwissend oder unentschieden ist, lohnt die Warnung vor solchen Bands aber vielleicht noch.)
@Anonymous: wobei man hier natürlich vorsichtig sein muss, wem man rechte Tendenzen unterstellt. Gibt ja auch Helden, die da Camerata Mediolanense in diese Ecke stellen. Weil man „Camerata“ ja unbedingt mit „Kameradschaft“ übersetzen muss. LOL
„Mein Volk, dem ich angehöre und das ich liebe, ist das deutsche Volk; und meine Nation, die ich mit großem Stolz verehre, ist die deutsche Nation.“
Na sowas. Deutsch + Nation. Und das auch noch in einem Satz. Nationalstolz? Wer sowas wohl raushaut…? Sicher wieder so ein rechter Schnösel.
Die Linken von heute übertreffen sich in ihrer „Linksheit“ oder zumindest in dem, was sie dafür halten, bald gegenseitig.
100% Zustimmung! Genau darum geht es doch. Es geht um das Auseinandersetzen mit dem Thema, jedoch nicht um die Diskussion, ob etwas verboten werden sollte oder nicht. Ich höre mir solch einen Müll auch nicht an und lehne das von Frei.Wild transportierte Bild ab, gar keine Frage. Ich finde jedoch, wir sollten nicht diskutieren ob etwas verboten wird oder, oder ob etwas irgendwo teilnimmt oder nicht. Warum setzt man sich nicht viel mehr mit den Inhalten auseinander? Warum setzt man sich nicht mit der Tatsachen auseinander, warum so viele Jugendliche die Band so gut finden? Geht es um Provokation?
Death Disco, ich halte Dein Thälmann-Zitat für völlig unproblematisch, wie übrigens auch das, was an inkriminierten Textschnippseln von Frei.Wild üblicherweise zitiert wird (ich kenne die Band nicht von eigenem Hören). Dass allerdings der Kommunismus mit einem hypertrophierten Nationalbewusstsein ganz gut zusammen geht, ist, allem Gerede vom Internationalismus zum Trotze, in der Geschichte oft zu beobachten gewesen.
Da ich schon seit einiger Zeit hier stille Leserin bin (ich bin begeistert von dem Blog! Super Arbeit!), dachte ich mir, dass ich mich bei diesem Them auch mal einschalte.
Es wird natürlich wieder das Bild der „bösen Medien“ vermittelt. Musik (und um noch ein anderes Thema, was in diesem Zusammenhang immer wieder fällt aufzugreifen, Computerspiele) veranlassen die Jugendlichen dazu, Gewalt anzuwenden, sich gar selbst umzubringen oder gewaltverherrlichende Parolen in die Welt zu schreien. Wenn es dann mal wieder sowas gibt wie einen Amoklauf, sind es die Medien die zuerst schreien „Er/Sie spielte leidenschaftlich gerne gewaltverherrlichende Computerspiele“ oder „In seiner Lieblingsmusik ging es um den Tod und Gewalt“. Und die Rezipienten glauben es, ohne genauer hinzuschauen. Damit wird per se das Bild der „bösen Medien“ vermittelt, die am besten verboten werden sollten. Doch warum neigen manche Jugendliche zu solchen Extremen? Wieso ziehen sie sich in die Welt der Computerspiele oder düsteren Musik zurück? Oft ist es doch die Flucht aus der heutigen Konsumwelt, aus der täglichen Reizüberflutung und einer Welt, in der man – entspricht man nicht der Norm – von allen Seiten schief angeschaut und teilweise belächelt wird! Ich denke, wir alle hier wissen, ganz genau wie das ist… Das wird jedoch in den meisten Berichterstattungen verschwiegen und der gemeine Leser oder Zuschauer hinterfragt natürlich nicht weiter. Doch gibt es bis heute keine empirischen Studien, die wirklich belegen können, dass das Spielen von Computer-/Videospielen oder Hören von Musik wirklich kausal mit den Verhaltensweisen in Zusammenhang gebracht werden kann.
Ich finde es ganz wichtig und richtig was die BPjM und die Selbstkontrolleinrichtungen leisten, doch frage ich mich manchmal, ob die Entscheidungen wirklich unserer heutigen Zeit angemessen sind. Und vor allem, sollte ein 6 oder 12-Gremium erwachsener Menschen wirklich darüber entscheiden können, was Jugendliche heutzutage gefährden könnte? Natürlich ist es bei einigen Texten, Filmen oder Spielen ganz offensichtlich, aber der Teufel steckt doch oft im Detail. Kinder und Jugendliche heutzutage sind viel mündiger, wissen viel mehr und sind viel aufgeklärter als viele vermuten! Sie können ganz gut selbst schon differenzieren. Und hier liegt das Paradoxon, denn gerade durch die Medien werden sie ja aufgeklärt, in jeglicher Hinsicht.
Ein Zurückziehen aus der Welt und das „Abrutschen in dunkle Kreise“ müssen doch nicht bedeuten, dass sie unmündig sind, es nicht besser wissen. Gerade diese Flucht zeigt doch, dass die Jugendlichen mit der Welt, die sie vorfinden nicht zufrieden sind, sich selbst nicht als Teil dieser begreifen, gerade weil sie erkennen, dass sie nicht in dieses von der Gesellschaft und den Medien gezeichnete Idealbild hineinpassen! Und nicht jeder neigt deswegen gleich schon zu Gewalt…
Deswegen würde ich dem hier schon Gesagten zustimmen: Den Jugendlichen muss zugestanden werden, dass sie sich selbst ein Bild machen können und es darf nicht von vornehinein per se geurteilt werden, dass sie unmündig sind und man ihnen deshalb ein Bild aufoktroyieren muss. Sie brauchen den Freiraum sich eine eigene Meinung bilden zu können, unabhängig davon, was in den typischen Sozialisierungseinrichtungen Schule und Familie vermittelt wird (wobei diese natürlich maßgeblich für die Selbstsozialisation sind!).
Abschließend kann ich nur sagen, dass der Bericht teilweise extrem überspitzt ist und das hat nichts damit zu tun, dass er von 1990 ist und es damals keiner besser wusste. Schaut man sich heutige Berichterstattungen an, wird genau dasselbe Bild gezeichnet!
Jetzt bleibt mir zum Schluss nur noch eine Entschuldigung, dass mein erster Kommentar hier so lang ausgefallen ist, doch ich hoffe vermittelt haben zu können, was ich darüber denke! Denn dafür ist die Kommentarfunktion, oder? ;-)
Ja, das ist eine gute Frage, die ich für mich auch noch nicht beantworten konnte. Warum wirkt in der heutigen Zeit Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit (jetzt mal weg von der Band Frei.Wild, hin zum Allgemeinen) überhaupt noch anziehend auf manche Menschen? Zeigt ihre Lebenswirklichkeit nicht jeden Tag, dass beides Schwachsinn ist? Dass das Zusammenleben mit Migranten, das Zusammenwachsen der Nationen, ihnen keinen Nachteil bringt? Es ist ja sehr oft so, dass in Orten, in denen besonders wenig Migranten leben, die Ausländerfeindlichkeit besonders hoch ist. Aber diese Orte werden immer weniger, die Positivbeispiele für Demokratie und friedliches Zusammenleben werden immer mehr. Was also ist noch anziehend an der braunen Ecke?
Vielleicht ist es wirklich Provokation. Neo-Nazi sein ist eines der letzten und größten Tabus unserer Gesellschaft. Aber warum bleiben dann so viele Menschen über ihre Pubertät hinaus in der Szene? Warum wählen erwachsene Menschen, die längst nicht mehr gegen ihre Eltern rebellieren, die NPD?
Ich werde es wohl nie verstehen…
@ Agricola:
Das ist genau der Punkt. Diese fixe Idee der deutschen Linken, Nationalismus (bzw. Patriotismus, der ja gerne als gemäßigte Vorstufe betrachtet wird) sei (ausschließlich) ein Phänomen der extremistischen Mitte (NaSo) oder des politisch rechten Spektrums, muss als Irrglauben abgetan werden. ETA, Baath, Sinn Féin… alles Nationalisten von Links, die sich marxistisch-leninistisch auf die Fahne geschrieben haben. Da kommunistische Staatenbildung immer mit einem Inseldasein einhergeht, eine Abgrenzung nach außen hin „gegen Imperialismus und Kapitalismus“ erfolgt, muss das „National(kommunistisch)e“ zwangsläufig überbetont werden, selbst wenn es von den Vordenkern vielleicht gar nicht so gedacht war.
Ich werde auch nie verstehen, wie man von der „Lebenswirklichkeit“ anderer Leute sprechen kann. Deine Haltung basiert nun mal auf positiven Erfahrungen. Warum sollten andere diese mit Dir teilen?
Ich verstehe nicht, warum sich Grufties überhaupt mit Frei.Wild auseinandersetzen oder gar hören. Für mich ist das nur Proletenmusik für besoffene Schwachköpfe. An Nazis denke ich dabei zweitrangig.
Oh, ich gehe nicht davon aus, dass alle Welt meine Erfahrungen teilt. Man belehre mich eines besseren, man zeige mir die Lebenswirklichkeiten der Menschen, die sich entschließen, Nazis (damit meine ich rechts vom Mitte-rechts Patriotismus)zu werden. Meine Fragen nach dem Warum waren keinesfalls rhetorisch gemeint.
Die sind doch gerade aufgrund der Medienpräsenz und Auseinanderpflückung durch selbsternannte Experten so populär. Warum sonst sollte man diesem Onkelz-Verschnitt so viel Beachtung schenken? An der mittelmäßigen Schrammel-Musik kann’s ja nicht liegen.
Der Naziworwurf bei den Südtirolern erscheint mir allerdings etwas problematisch, hatten diese anfangs unter der NS-Herrschaft doch eher gelitten. Für die standen nur zur Wahl: Auswandern ins Reich oder Eingliederung in Mussolinis faschistische Diktatur. Und der war natürlich darum bemüht, Tirol zu „italienisieren“ und den deutschen Bevölkerungsanteil zu „entnationalisieren“. Hitler und „Tiroler Heimatgefühl“ wären diesbezüglich sogar gegensätzlich.
Ich mag mich ja irren, aber in Deinem Beitrag lese ich das Wörtchen „Lebenswirklichkeit“ in Zusammenhang mit Multikultur? Heißt das, jeder, der Multikultur nicht grundsätzlich positiv gegenübersteht, kritisch hinterfragt oder gar für gescheitert hält, ist braun, Nazi, Fascho, rechts, oben oder unten? Eine etwas merkwürdige Pauschalisierung.
Verstehe mich nicht falsch, ich blicke da eher von außen auf Pro und Contra, sehe auf beiden Seiten aber durchaus nachvollziehbare Argumente. Bei einer gut funktionierenden Multikultur ist z.B. davon auszugehen, dass all ihre Bestandteile dasselbe Verständnis von Recht, Freiheit und Demokratie teilen. Ist dies der Fall?
Ich will Dir Dein Weltbild ja nicht ins Wanken bringen, aber Rechts von Mitte-Rechts standen Nationalkonservative und Adelige wie Stauffenberg, die Hitler aus dem Weg räumen wollten. Diese Einordnung erscheint mir einfach falsch.
@Ian: Warum wir uns damit auseinandersetzen? Die positive Betrachtungsweise: Zu meiner Definition von „Gruftie“ gehört das hinterfragen, kritisieren, diskutieren. Außerdem beschäftige ich mich auf Spontis schon seit der Gründung mit Jugendkulturen und deren Phänomenen und da gehören die Fans der komischen Band irgendwie hin. Die negative Betrachtungsweise: Wir müssen zu allem eine Meinung haben, die jedem und allem auf die Nase binden und finden es ganz großartig mit Wissen und Halbwissen zu glänzen. :-) Wer die Ironie findet, darf sie behalten.
@black bat:
In der Tat. Was in den 80ern verboten wurde, ist heute ganz locker erlaubt. Was hat sich geändert? Haben wir die Jugendlichen in den letzten 30 Jahren so intensiv mit Scheiße (entschuldigung für diesen Ausdruck) zugeschüttet, dass sie das jetzt locker ertragen können? Demnach hätte sich „Selbstkontrolle“ im Jahre 2044 erledigt. Denn viel mehr Scheiße geht kaum noch. Ernsthaft: Eine gewisse Orientierung finde ich nicht schlecht, von daher ist das sicherlich eine gute Erfindung. Ich würde jedoch andere Altersgrenzen als 6,12,16 und 18 einführen. 7,14,21? Das Hauptproblem ist doch der unreflektierte Konsum der „Scheiße“. Wenige Eltern wissen überhaupt, was ihre Kinder da gucken. Schulen sind Jahre hinterher und die Medien zeichnen ein Schreckens-Szenario.
Nunja, das kommt ganz darauf an. Ich werde tatsächlich misstrauisch, wenn jemand „Multikulti“ als Schimpfwort oder abwertend verwendet. Allerdings höre ich mir dann die Argumente für diese Kritik durchaus an und weiß, dass es auch rationale, nicht-rassistische Kritik an Multikultur gibt. Jedoch habe ich da tatsächlich von meinem (medialen) Wissen und meiner persönlichen Erfahrung darauf geschlossen, dass das Zusammenleben mit Migranten nichts negatives mit sich bringt, so lange gegenseitiger Respekt herrscht. Und respektloses Verhalten habe ich bislang nur von deutscher / einheimischer Seite erlebt. Insofern pauschalisiere ich da vielleicht etwas, das mag sein. Jedoch bin ich der Ansicht, dass man bei Rassismus lieber übervorsichtig sein sollte, als zu gutgläubig.
Keine Angst, so fragil ist mein Weltbild dann doch nicht. ;-)
Erstens bezog ich mich damit auf die aktuelle politische Landschaft, also eine Zeit, zu der man aus dem Hitler-Faschismus gelernt haben sollte.
Zweitens habe ich hier nie behauptet, dass ich nationalkonservative Einstellungen super finde, nur weil ein paar rühmliche Hitlerattentäter darunter waren und
drittens ist mir nicht klar, was Stauffenberg mit meiner Frage zu tun hat.
Mir ging es tatsächlich um Erklärungen und nicht um blindes „Rumhacken“ auf dem rechten politischen Spektrum oder den Fans von Frei.Wild, Onkelz & Co.
An dieser Stelle möchte ich aber mal betonen, dass man die Onkelz mitnicht mit Frei.Wild vergleichen darf! Immerhin haben die Onkelz zu ihrer Zeit einige sehr witzige Songs zum Thema geschrieben um sich zu distanzieren:
Solche Songs findet man bei Frei.Wild überhaut nicht. Und das ist der Unterschied! Die Onkelz haben damals sehr viel unternommen um von dem Image wegzukommen, haben Verkauferlöse an Vereine gegen Rechts gespendet, haben Konzerte gegen Rechts organisiert, Neonazis konsequent aus ihren Konzerten rauswerfen lassen usw. Die haben immer klare Kante gezeigt und nicht dieses frei.wildsche Wischiwaschi von wegen: „Also wer sich benimmt, darf rein“, versteht ihr? Deswegen lassen sich Frei.Wild und Onkelz auch nicht miteinander vergleichen. Die Medien hatten sich auf die Onkelz eingeschossen und die Band hatte über Jahre ein heftigen Spießroutenlauf, bis die für sich entschlossen haben „Scheiß auf Medien“. Auch ein Unterschied zu den Tirolern, welche die Medien ganz konsequent für sich nutzen!
Es gab damals nur wenige Ausnahmen, wo man mit Weidner fair umgegangen wurde. Eine ist ne Biolek-Sendung von 1992 – der Biolek hat sich auch wirklich mal drauf vorbereitet und gute Fragen gestellt:
http://www.youtube.com/watch?v=W87w4JfZe4g
Lustig, dass die Sendung wegen diesem ausgewogenen Interview erst garnicht gesendet werden sollte! Sagt viel über Medien aus!
Wie es anders ging? Hier eine Sendung, ebenfalls von 1992, mit den Onkelz, Normahl und Boots & Braces. Herrlich wie überfordert die Moderatoren hier waren und mit Halbwahreiten um sich geschmissen haben. Sollte man sich ebenfalls mal anschauen – ist unterhaltsam:
http://www.youtube.com/watch?v=II_P3m6wlpU
Aber auch hier merkt man den Wunsch von Weidner, dass man mit der Band mal fair umgeht, auf die Texte wirklich draufschaut, etc. Alles Dinge die heute be Frei.Wild fehlen, sondern dieses Image ganz gezielt aufbauen um Kasse zu machen!
Daher bitte ich Frei.Wild nicht als „Onkelz-Verschnitt“ oder ähnliches zu betiteln! Auch wenn man deren Musik nicht mag, muss man anerkennen, dass die Jungs über 20 Jahre drauf verwendet haben mit Texten, Aktionen, Ansagen auf Konzerten etc. Werte gegen Nationalismus zu vermitteln.
Weder die „Onkelz“ noch „Frei.Wild“ sind schwarz. Wir müssen das deshalb nicht in epischer Breite debattieren. Das ist jedenfalls mein Plädoyer.
Wieso denn nicht? Das ist in mehreren Dingen interessant, weil dies auch ein Stück weit die Rolle der Medien zeigt und wieso muss immer etwas „schwarz“ sein, damit man mal drüber redet?
Ich bin ein ziemlich politischer Mensch. Die Frage ist, ob man ÜBERALL über ALLES AUSSCHWEIFEND diskutieren muss. Aber wie wäre es denn mal mit einer Debatte über die unseligen Politisierer in der Szene (und dabei denke ich nicht nur an die „Rechten“, Axel). Da kann man dann mal schauen, wer den „bösen Medien“ das Futter für ihre Kampagnen liefert.
@ Acricola Heimgang:
vollste Zustimmung. diese Bands haben nichts mit uns zu tun.
Axel du bist kein Gruftie, dass führst uns hier wieder mal anschaulich vor.
Wann kommt deine Klarstellung oder Entschuldigung zu deiner selbsterfundenen Geschichte hier?
https://www.spontis.de/vernetzt/wochenschau-01-2014/#comments
@Anonymous
Ich halte diese Brandmarkung der Deutschen als latente Rassisten und die ewige Opferrolle der Migranten für lächerlich und mediengezüchtet. Wer Rassismus nur bei seinen Landsleuten sucht, sollte noch mal intensiv nachdenken.
„Ein paar“ ist wohl leicht untertrieben. Die ganzen „von und zus“ auf hohem Posten dürften mindestens zweistellig sein. Es ging zudem nicht um Deine Frage, sondern um die von Dir vorgenommene Verortung.
„Axel du bist kein Gruftie, dass führst uns hier wieder mal anschaulich vor.“
Also falls man hier nur als Gruftie kommentieren darf, muss ich mich wieder verabschieden…
Oder ist das ein „Insider-Disput“, der nur bestimmte Personen betrifft?
Es wäre schade, wenn man hier nur unter bestimmten Bedingungen willkommen wäre und nicht, wenn man sich einfach für die Musik und die Themen dieses Blogs interessiert.
@Death Disco:
Ich bitte meine Formulierung zu beachten:
Ich habe in meinem vorherigen Kommentar ja bereits meine subjektivität Argumentation eingeräumt und auch hier nur von meinen persönlichen Erfahrungen geschrieben. Ich suche Rassismus nirgendwo und sehe Migranten auch nicht in einer „ewigen Opferrolle“. Wenn Du andere Erfahrungen gemacht hast als ich, dann berichte doch davon! Aber meiner Meinung nach entfernen wir uns sehr weit vom Thema und müssen das hier nicht endlos diskutieren. Oder doch?
als gruftie reagiert man allergisch wenn außenstehende versuchen politik in die szene zu tragen. leider kommen die meisten politisierungsversuche von außen, dass ist auch nichts neues. schon anfang der 90ziger versuchten bestimmte politische gruppen einfluss auf die szene zu nehmen und prallten (zum glück) am geschlossenen desinteresse ab. das macht uns für gewisse kreise zum roten tuch.
wenn man innerhalb der szene über politisch gemeinte musik debattieren möchte ich das nicht schlimm aber dann sollte es auch um „gruftiebands“ gehen.
onkelz und konsorten sind für mich unterschichten bands. einfach strukturierte texte, schlechter metalsound, umweht von bierdunst, was hat das mit gothic zu tun? mit onkelsliedern auf dem lippen haben uns die assis in den 90zigern aus den clubs geprügelt.
Onkelz und Frei.Wild sind gar nicht das Thema dieses Artikel, weder die Einordnung in irgendwelche politischen Strömungen noch deren Musik. Es geht lediglich um die Art des Mechanismus, der uns suggeriert, dass die Musik irgendeiner Band, die nicht der „Norm“ entspricht, die Jugend (oder uns) gefährdet oder sogar verboten werden muss.
Und natürlich muss man NICHT SCHWARZ SEIN, um hier an irgendeiner Diskussion teilzunehmen!
Das hat Kara Ben Nemsi sicherlich nicht so gemeint, den ich in anderem Zusammenhang nochmal zitieren möchte: „als gruftie reagiert man allergisch wenn außenstehende versuchen politik in die szene zu tragen“
Das sehe ich genauso. Natürlich ist es schwierig, das umzusetzen. Natürlich habe ich eine persönliche politische Ansicht, doch die Szene in der ich mich bewege, sollte sich freimachen, Platz für irgendwelche politischen Strömungen zu bieten. Eine Gratwanderung.
Dann mische ich mich doch auch noch mal ein, unabhängig von der Onkelz und Frei.Wild Diskussion, denn die sind mir so fern, dass ich dazu nichts sagen könnte…
Ich denke, dass dachte schon jede Generation. „Damals war alles besser“. Wirklich? Auch „damals“ gab es Dinge, Musik, Filme etc., die nicht in das Gesellschaftsbild gepasst haben und demnach als „Scheiße“ betitelt wurden. Wahrscheinlich sind wir heute abgestupfter, haben einfach schon zu viel gesehen, als das uns noch irgendwas schockieren könnte. Klar, das liegt natürlich auch an den Massenmedien und der zunehmenden Vernetzung und Digitalisierung der Welt im Allgemeinen.
Was würde die Hochsetzung der Altersgrenzen bringen? Ich denke, nicht viel. Ein sieben-jähriger ist heutzutage doch kaum noch von einem sechs-jährigen zu unterscheiden. Es kommt immer auf die Sozialisieurng an, die die Kinder und Jugendlichen erfahren (Ich will hier keine Hartz V / Bildungsbürgertum – Diskussion lostreten, aber man merkt eben den Unterschied…).
Ich würde dir da zustimmen Robert, dass es einfach an en Eltern und auch Schulen liegt, den Kindern einen gesunden Medienumgang anzueignen. In der Tat sollte darauf geachtet werden, was Kinder konsumieren. Das wird schließlich bei anderen Bereichen des Lebens auch gemacht. Wieso noch nicht mit Medien? Vielleicht liegt es auch daran, dass die Eltern teilweise selbst nicht damit umgehen können!?
Oh, das war ganz sicher nicht meine Absicht, als ich mir hier beteiligt habe. Mein Interesse galt der Diskussion mit Individuen über ein politisches Thema. Das hat nichts damit zu tun, die Gothic-Szene als solche einer politischen Strömung zuordnen zu wollen. Dass gerade diese Szene sehr viel Wert darauf legt, unpolitisch zu bleiben (als Szene, nicht die einzelnen Personen, so wie ich es verstanden habe), war mir bewusst.
Dazu fällt mir noch ein: Ich denke, man kann zwar darauf achten, was Kinder konsumieren, aber gerade bei Jugendlichen wird es immer schwerer, dass wirklich zu kontrollieren. Deshalb denke ich, dass die wichtigste Aufgabe verantwortungsbewusster Erwachsener sein sollte, sich mit den Kindern und Jugendlichen auszutauschen über das, was sie in den Medien sehen. Das halte ich für noch wichtiger, als sie von eventuell gefährdenden Inhalten fernzuhalten. Auch wer keine gewaltverherrlichenden Songtexte hört oder Ego-Shooter spielt, wird heutzutage in den Medien mit Tod, Gewalt, Kried, Terrorismus konfrontiert. Deshalb denke ich, Austausch und Hilfe beim Verarbeiten dieser Inhalte ist das A und O.
Ian hat die Reportage schön mit „putzig“ beschrieben, das ist sie in der Tat. Ich behaupte aber, dass sich etwas dieser Art auch mit einem deutlich neueren Datum finden ließe. Gut, im Zweifel wird dann Musik mit bösen Killerspielen ausgetauscht, aber selbst das tut nicht Not. Ich möchte da nur an die „Satanistenmorde“ zu Beginn dieses Millenniums erinnern. Ob man das alles unter „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht?“ subsumieren kann? Oder glaubt da wirklich wer, „unsere Jugend“ vor bösen Einflüssen schützen zu müssen (was wohl mehr oder minder aufs Gleiche hinausläuft)?
Beides sind meine optimistisch gedachte Möglichkeiten. Zur pessimistischen Sicht möchte ich black bat, der ich ansonsten im Wesentlichen zustimme, an einer Stelle ein wenig widersprechen:
Ich frage mich das nicht nur bei den Entscheidungen, sondern auch bei den Einrichtungen selbst und halte ihre Arbeit daher für alles andere als richtig. Nicht, dass ich einen Leitfaden für Eltern und Verkaufsverbote an Kinder nicht in einigen Fällen durchaus für sinnvoll halte. Aber das ist ja nicht alles, was diese großartigen Einrichtungen tun. Stichwort Indizierung.
Da gibt es also eine Behörde, die sich um jugendgefährdende Medien kümmern soll. Und die sorgt dann dafür, dass Erwachsene bestimmte Medien entweder nur unter der Ladentheke oder gar nicht mehr erwerben können. Verrückt, oder?
Diese Medien müssen nicht einmal strafrechtlich relevantes Material enthalten. Es reicht völlig, wenn eine andere Behörde meint, dass dieses bestimmte Medium nicht für erwachsene Menschen(!) freigegeben werden dürfe. Darunter Filme wie „Battle Royale“, das etwas blutigere japanische Original der Tribute von Panem. Warum? Weil der Film bekannt ist, und weil darin Jugendliche andere Jugendliche umbringen. Das reicht, dass der Film hierzulande beschlagnahmt ist, also überhaupt nicht verkauft werden darf.
Selbst ne Rammstein-CD hat es (wenn auch kurzzeitig) auf die Indizierungsliste geschafft („endlich“, wie man beim Rammstein-Management vermutlich sagt). Und bei tatsächlich strafrechtlich relevantem Material (wie alles hierzulande, was mit den Dritten Reich zu tun hat) sind Entscheidungen auch gerne mal Wischi-Waschi. Alles von Guido Knopp kann sich an Nazi-Ästhetik ergötzen, aber Videospiele oder eine Variante des Horst-Wessel-Liedes auf einem Album, das „Brown Book“ heißt, bitte nicht (vermutlich weiß bei der BPjM keiner, was das Braunbuch ist).
Da gibt es also eine Behörde, die hochoffiziell Dinge zensieren darf, die ihr nicht passen. Wirkliche Regeln dafür gibt es nicht, schließlich muss etwas nur weniger bekannt sein, um deutlich mehr erlaubt zu bekommen. Wenn sich diese Behörde dann einmal in ein Werk festgebissen hat, lässt sie auch nicht so schnell wieder los – man verfolge nur mal, was mit „Battle Royale“ so passiert ist. Nachzulesen übrigens auf einer Seite, die früher in Deutschland beheimatet war, dann aber von den „Jugendschützern“ von jugendschutz.net vertrieben wurde. Warum? Na, weil sie Informationen zu indizierten Titeln bereitstellte, dementsprechend Werbung dafür machte. Klar.
„Denkt doch mal einer an die Kinder!“ ist doch viel mehr als „putzige“ Dokus – es ist eine der Säulen moderner Zensur. Siehe z. B. auch die Idee von Pornofiltern fürs Internet. Obwohl niemand unter 18 einen Internetanschluss bekommt und damit sogar verantwortlich dafür ist, was darüber heruntergeladen wird.
Das ist die pessimistische Sicht auf die Dinge, deren Auswüchse sich z. B. in der von Robert gezeigten Doku manifestieren. Ja, das ist jetzt auch wieder weit über die Musik hinausgegangen, aber trifft ja auch da immer noch zu. Nur halt bei „uns“ eventuell noch im Neofolk, weil da irgendwelche Helden meinen, den melancholischen Liebesliedern von :Of the Wand & the Moon: rechte Tendenzen unterstellen zu müssen. Ansonsten stoßen wir ja überall auf ganz viel Verständnis ;)
Ja, das war jetzt gemein und ist auch wieder eine ganz andere Diskussion…
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Axel:
Vergiss‘ nicht das Getrommel, das ist auch ganz rechts und böse ;)
Das hier kennt man ja… http://www.youtube.com/watch?v=RdjtVcQ_02Q
@Ian: Welch Ironie: „Inhaltswarnung. Dieses Video ist möglicherweise für einige Nutzer unangemessen. Melde dich an, um dein Alter zu bestätigen.“ :D
(Ich hab leider keinen YT Account.)
@Ian: Vielen Dank für den Link! Diese Berichterstattung zeigt doch mal wieder sher gut, welch undifferenziertes Bild (Emos, Satanisten und Grufties alle in einer Schublade…)vermittelt wird und welche Ängste damit geschürt werden! Da stellt man eine besorgte und überforderte Mutter hin, die angeblich Ahnung davon hat, was ihre Tochter auf irgendwelchen kuriosen Partys treibt. Und die Menschheit glaubts, schüttelt den Kopf und fragt sich „Was ist bei den Jugendlichen schief gelaufen, wieso machen die das?“
@Irmin:
So einfach darf die BPjM (sowie auch FSK, FSF etc.) auch nicht zensieren. Es gibt natürlich Regeln und Vorschriften, an die sich halten muss (JuSchG, JMStV, Grundgesetz, diverse Leitlinien etc.)und die Anträge kommen nicht nur von Behörden oder Vereinen, sondern auch von „besorgten Eltern“. ;)
@Anonymus:
Definitiv! Da stimme ich dir vollkommen zu! Eltern und Schulen sollten schon früh beginnen eine gewisse Medienerziehung durchzusetzen. Denn nicht alles, was nicht als jugendgefährdernd eingestuft wird, ist wirklich ohne Vorschicht genießbar! Da reicht es doch schon, wenn Kinder mit den Eltern zusammen die Tagesschau sehen. Auch dort werden sie auf einiges verstörendes stoßen…
@black bat:
Ja, ich habe die Lage etwas polemisch überhöht dargestellt und du hast recht. Bei den „diversen Leitlinien“ fängt es aber auch schon wieder an, schwammig zu werden.
Mein grundsätzliches Problem ist einfach: Warum sollte irgendetwas, das nicht strafrechtlich relevant ist, überhaupt Verbreitungsbeschränkungen unterliegen, wenn es sich ganz klar nur an Erwachsene richtet? Jugendschutz schön und gut, aber da sollte dann auch Schluss sein.
Mal davon abgesehen, dass ich auch bei so mancher strafrechtlicher Relevanz Zweifel hegen würde, ob das denn wirklich so furchtbar schlimm ist. Und nein, dabei geht es nicht mal unbedingt um Nazisymbolik ;)